Forschung und Entwicklung

Strategische Ausrichtung von Forschung und Entwicklung

Die KION Group hat auch im Geschäftsjahr 2013 einen bedeutenden Teil ihres Produktumsatzes für Forschung und Entwicklung aufgewendet, um das Portfolio weiterzuentwickeln und so die technologisch führende Position zu sichern. Der Gesamtaufwand für Forschung und Entwicklung einschließlich Abschreibungsaufwendungen und Anlagenaktivierungen belief sich im Geschäftsjahr 2013 auf 114,2 Mio. € (Vorjahr: 120,2 Mio. €). Der Rückgang ist im Wesentlichen durch den Verkauf des Hydraulik-Geschäfts bedingt. Die Ausrichtung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) folgt dabei dem vorrangigen Ziel, die Gesamtkosten der Kunden (Total Cost of Ownership, TCO) einschließlich Anschaffung, Wartungs- und Reparaturkosten sowie Energieverbrauch im Einklang mit umweltpolitischen Zielen und regulatorischen Anforderungen in Grenzen zu halten. Logistiklösungen der KION Group sollen in die Wertschöpfungsketten der Kunden integriert werden und neue Einsatzgebiete erschließen.

Über Modul- und Plattformstrategien – innerhalb der einzelnen Produktmarken sowie markenübergreifend – werden F&E möglichst kosteneffizient gestaltet, die Komplexität und Vielfalt der Produkte reduziert und Entwicklungszeiten verkürzt. Die markenübergreifende F&E-Plattform dient dem Austausch von Forschungsergebnissen und technologischem Know-how, während die Entwicklung der Produkte weitestgehend in der Verantwortung der einzelnen Unternehmen liegt.

Wesentliche F&E-Kennzahlen

Mit 114,2 Mio. € hat die KION Group insgesamt einen ähnlich hohen Betrag für F&E aufgewendet wie im Vorjahr. Dieser entsprach unverändert 2,5 Prozent der Umsatzerlöse beziehungsweise 4,5 Prozent der Umsatzerlöse im Neufahrzeug-Geschäft. Damit bewegten sich die F&E-Aufwendungen auch im Berichtsjahr oberhalb des Branchendurchschnitts. Der Betrag enthält 45,7 Mio. € (Vorjahr: 51,2 Mio. €) aktivierte Entwicklungsaufwendungen, denen planmäßige Abschreibungen in Höhe von 45,1 Mio. € (Vorjahr: 55,5 Mio. €) gegenüberstehen (siehe Konzernanhang, Textziffer [17]).

Die Zahl der Vollzeitstellen in den F&E-Arbeitsbereichen belief sich zum Jahresende 2013 auf 944 (Vorjahr: 847). Besonders stark wuchs das F&E-Entwicklungszentrum Xiamen (China), das markenübergreifend Entwicklungsleistungen mit besonderem Fokus auf das Economy- und Value-Preissegment in Wachstumsmärkten erbringt und zum Jahresende 232 Vollzeitstellen umfasste.

Die externen Kosten betrafen vorwiegend Ingenieurdienstleistungen, Material für Prototypentwicklung und IT. Zwischen der 2012 ausgegliederten Linde Hydraulics und Linde Material Handling besteht eine enge Entwicklungspartnerschaft mit Blick auf neue Hydraulik-Produkte. >> Tabelle 032

F&E-Gesamtaufwand*

 

 

>> TABELLE 032

in Mio. €

2013

2012

Veränderung

*

F&E-Gesamtaufwand für 2012 wurde aufgrund der rückwirkenden Anwendung des IAS 19R (2011) angepasst

 

 

 

 

Forschungs- und Entwicklungskosten (GuV)

113,6

124,5

–8,7 %

Abschreibungen

–45,1

–55,5

18,9 %

Aktivierung von Entwicklungskosten

45,7

51,2

–10,9 %

F&E-Gesamtaufwand

114,2

120,2

–5,0 %

F&E-Anteil am Umsatz

2,5 %

2,5 %

Die KION Group schützt ihre Produktentwicklungen umfassend vor Nachahmung. Im Jahr 2013 wurden an die KION Gesellschaften insgesamt 85 Patente erteilt (Vorjahr: 63). Die Unternehmen der KION Group verfügten am Jahresende 2013 über insgesamt 1.596 Patentanmeldungen und erteilte Patente (Jahresende 2012: 1.495).

F&E-Schwerpunkte im Geschäftsjahr 2013

Emissions- und Verbrauchsreduzierung

Sowohl Linde als auch STILL haben zum Anfang des Jahres als Reaktion auf die neuen EU-Abgasvorschriften (97/68/EG Stufe 3b) überarbeitete Dieselstapler auf den Markt gebracht. Die verbrennungsmotorischen Gegengewichtsstapler von Linde H20 bis H50 (EVO) unterschreiten dank neuer, abgasarmer Motoren und serienmäßigem Partikelfilter die gesetzlich geforderten Schadstoffgrenzwerte um ein Vielfaches. Der Wert der ausgestoßenen Partikelmasse (PT) liegt um 84,0 Prozent unter dem Grenzwert, bei den Kohlenwasserstoffen (HC) und Stickoxiden (NOx) sind es 26,1 Prozent und bei Kohlenmonoxid (CO) 99,5 Prozent. Damit sind die Stapler sogar für den Einsatz in geschlossenen Bereichen geeignet. Darüber hinaus zeichnen sich die neuen Fahrzeuge durch größere Energieeffizienz sowie mehr Ergonomie und Sicherheit für den Fahrer aus. Eine Untersuchung der Abgase ergab im Berichtsjahr, dass die Linde Dieselstapler im größten Verkaufssegment, dem Traglastbereich von 2,5 bis 3,5 Tonnen, die saubersten Stapler auf dem Markt sind.

STILL ergänzt seine RX 70-Familie mit den Modellen RX70-60/80 und RX70-40/50. Mit der Reduzierung der Rußpartikel um mehr als 92,0 Prozent liegt dabei der Schwerpunkt auf der Erfüllung der Abgasgesetzgebung. Darüber hinaus wurden die technischen Merkmale Umschlagleistung, Fahrverhalten und Ergonomie – Fahrerarbeitsplatz verbessert. Durch die bewährte Hybridversion und das von STILL entwickelte Energie-Effizienz-Programm Blue-Q lässt sich der Energieverbrauch von Flurförderzeugen weiter deutlich senken.

Regionalisierung und Individualisierung

Das F&E-Zentrum der KION Group in Xiamen konzentrierte sich auch 2013 auf die Entwicklung von Plattformkonzepten für China und andere Wachstumsmärkte. Im Zentrum stand die Entwicklung von drei Modellen mit unterschiedlichen Antriebssystemen und Preiskategorien. Die kostengünstige Basic-Variante (Fahrantrieb mittels Drehmomentwandler) wurde zu Jahresbeginn erfolgreich im chinesischen Markt eingeführt. Auch in Brasilien wird das Modell inzwischen vermarktet, nachdem es dort an lokale Anforderungen angepasst wurde. Zwei weitere Modelle der Gegengewichtsstapler-Serie mit anspruchsvolleren Antriebssystemen werden derzeit in Xiamen entwickelt. Die indische Voltas MH arbeitet ebenfalls mit dem Entwicklungszentrum in Xiamen zusammen und verwendet eine dort entwickelte Achse für einen neuen Elektrostapler.

Insbesondere in den entwickelten Märkten spielen kundenspezifische Lösungen eine bedeutende Rolle. Linde Material Handling trieb im Berichtsjahr die Individualisierung von Flurförderzeugen nach Kundenwünschen für den westeuropäischen Markt mit der neuen Schubmaststapler-Generation Linde R14 bis R20 im Traglastbereich von 1,4 bis 2 Tonnen voran. Deutlich mehr Varianten von Mast, Chassis und Batterie sowie optionale Ausstattungsmerkmale erlauben kundenspezifische Lösungen aus der Serienfertigung. Gleichzeitig sind das Chassis und andere Baugruppen die Basis für weitere Modelle der KION Group, um so die Modul- und Plattform-Strategie mit einem höheren Anteil gleicher Teile umzusetzen.

Antriebstechnologie

Im Mittelpunkt der Entwicklung neuer Antriebstechnologien standen wie schon im Vorjahr leistungsstarke Lithium-Ionen-Batterien für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Ende 2013 brachten LMH und STILL die ersten Hubwagen und Zugmaschinen mit diesem Batterietyp auf den Markt, der im Vergleich zu Bleiakkumulatoren einen deutlich höheren Energieinhalt hat und sich schneller aufladen lässt. Daneben treiben LMH und STILL die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien für Gegengewichtsstapler höherer Gewichtsklassen voran. In einem weiteren Projekt wird an Hochleistungs-Booster-Batterien für Hybridfahrzeuge gearbeitet.

Darüber hinaus leisten die KION Unternehmen Grundlagenforschung bei alternativen Antriebstechnologien. In einem Feldversuch in der Produktion des BMW i erprobt die KION Group derzeit mit der BMW Group und der Technischen Universität München einen Wasserstoffantrieb für Flurförderzeuge. Das 2011 vorgestellte Forschungsprojekt „E-LOG-Biofleet“, das die Einsatztauglichkeit des von Linde und Fronius entwickelten Brennstoffzellen-Hybridantriebs testet, ist im Juni offiziell in die einjährige Feldphase bei DB Schenker gestartet. Bei einer dänischen Baumarktkette sind außerdem vier STILL Stapler mit Brennstoffzellen des dänischen Herstellers H2-Logic im Testeinsatz.

Der für die Vermarktung der bestehenden elektrischen Antriebskonzepte zuständige LMH Geschäftsbereich New Business & Products präsentierte gemeinsam mit dem Kehrtechnikhersteller Val’Air S.A.S auf der MobiliTec 2013 eine kompakte Hybrid-Kehrmaschine für den Einsatz in Innenstädten und auf Werksgeländen. Für die im Vorjahr auf den Markt gebrachten elektrisch angetriebenen Zwei-Wege-Rangierfahrzeuge ROTRAC E2 und E4 hat LMH den Industriepreis 2013 in der Kategorie Antriebs- & Fluidtechnik erhalten.

Vernetzung

Ein wichtiges Thema bleiben auch Automatisierung und Vernetzung des Warentransports. So brachte STILL im Berichtsjahr das iGoEasy-System auf den Markt, das mit einem iPad intuitiv bedien-, installier- und anpassbar ist. Konzipiert wurde iGoEasy für Anlagen mit geringem Transportvolumen, bei denen der Warentransport bislang lediglich mit einem manuell geführten Stapler sinnvoll war. Mit iGoEasy können einfache Transportaufgaben eines einzelnen Fahrzeugs erstmals vollkommen selbstständig automatisiert werden, ohne dass speziell geschultes Fachpersonal nötig ist.

Arbeitssicherheit und Ergonomie

Um schwere Lasten in explosionsgeschützten Bereichen zu bewegen, hat LMH zwei neue Dieselstapler auf den Markt gebracht, die EG-Bestimmungen für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen (EN 1755) der Zone 2 erfüllen und in der Atex-Version nach 94/9/EG durch den TÜV Rheinland baumustergeprüft sind.

Die optische Fahrweg-Warneinrichtung BlueSpot von LMH und STILL, die im Fahrgassenbereich und an unübersichtlichen Kreuzungen vor Zusammenstößen warnt, gibt es seit November bei LMH auch mit roten LEDs, um je nach Farbe des Fußbodens die höchstmögliche Signalwirkung zu erzielen. Ebenfalls neu ist der „BlueSpot directional“: Hier überträgt die LED-Leuchte einen blauen Pfeil auf den Fußboden und zeigt so die Fahrtrichtung des herannahenden Staplers an.

Wie sich die Ergonomie von Staplerarbeitsplätzen weiter verbessern lässt, erforschte die KION Group in einem Projekt mit Studierenden der TU München, die eine Arbeitsumgebung nach Prinzipien des Universal Designs entwickelten. Bevor das Konzept angewendet werden kann, sind jedoch weitere Untersuchungen und Tests nötig.